Skilift Regensberg - die Geschichte


Es war einmal...
...etwa so könnte die Geschichte beginnen...

Nachdem etliche Berichte über das Thema Skilift Regensberg erschienen sind, möchte ich nun meine Skilift-Geschichte erzählen:
Und, es war wirklich einmal... nämlich ein Lehrer der Stiftung Schloss Regensberg, der mich im November 1968 anfragte, ob sie auf meinem Land einen Pony-Lift erstellen dürften. Da alles Land in diesem Hügelgebiet nicht Pachtland, sondern mein eigenes war und zu unserem Erlenhof gehört, wollte
ich dies nicht erlauben.
Aber diese Idee liess mich nicht mehr los...
Im Jahr darauf bat ich die Firma Borer von Büsserach um eine Offerte für einen Pony-Lift und noch im selben Jahr, im Oktober 1969 wurde ein solcher für Fr. 10‘000.- erstellt.
Wir hatten Glück ! Es gab im Erstellungsjahr viel Schnee und während 2 ½-Monaten durften wir den Lift betreiben. Es war ein voller Erfolg und die Skifahrer, klein und gross, hatten eine riesen Freude.

Der Wunsch vieler Besucher, den längeren Hang hinunter zu sausen und eben auch wieder bequemer dieses längere Stück hinaufzukommen, wurde immer grösser und vermehrt an mich herangetragen.
Beflügelt durch den schönen Erfolg mit dem kleinen Pony-Lift im Winter 1969/70, liess ich bei der Firma Borer eine Offerte für einen längeren Skilift machen.
Das Ergebnis: Fr. 60‘000.- zuzüglich Kosten für Beton-Arbeiten. Mit dieser Offerte ging ich damals zu Walter Kunz, damaliger Bankverwalter der ZKB Dielsdorf. Er ermunterte mich, diese Idee umzusetzen.
So wurden im Herbst 1970 die verschiedenen Aushübe für die Beton-Fundamente erstellt.
Martin Bader, damals Inhaber des Steinbruchs Steinmaur, stellte mir zuvorkommend und ohne Verrechnung einen Arbeiter zur Verfügung.
Danach füllten wir die Gruben mit Beton, total ca. 20 m3. Ich musste die Scharniere für die Masten absolut genau einmessen und fixieren. Mein Vater Hans und mein Schwager Otto Wirth halfen mir beim Beton-Einfüllen, es war Schwerstarbeit.

Im November kam die Firma Borer mit allem Material für den Lift und Schritt um Schritt wurde der Skilift aufgebaut, das Drahtseil verspleisst, aufgehängt und mit dem Gewicht gespannt.
Alle 72 Meter wurde einer der insgesamt 19 Bügel befestigt.
Für den Motor und die Steuerung kaufte ich in Watt bei Regensdorf einen Baustellenwagen und baute ihn aus. Darin platzierten wir den Motor mit Antrieb der Pumpe für die Hydraulik, denn der Lift wird hydraulisch und somit auch stufenlos angetrieben. Im vorderen Teil des Baustellenwagens
vergrösserte ich das Fenster, um so den Billettverkauf zu vereinfachen.
Alles war betriebsbereit und dann gab’s im Winter 1970 leider keinen Schnee, im 1971 nur wenig d.h. nur für ca. eine Woche. Für den Heimatschutz mussten wir viele Bedingungen erfüllen, viel Arbeit und Kosten waren damit verbunden...
Die folgenden Jahre waren dann aber gut bis sehr gut.
Ab 1979 bis 1989 gab es sehr viel Schnee, dreimal hatten wir sogar bis zu 65 Betriebstage, z.T. sogar bis zum 20. März...
So konnte ich meine Schulden bei der Bank bald abbezahlen und die ganze Anlage amortisieren.
Ab 1990 waren die Winter unterschiedlich, aber immer noch gut.
In den Jahren von 2000 – 2005 gab’s mal Schnee, mal gar keinen. Im Jahre 2005 musste ich dann die Steuerung nach den neuen Vorschriften einrichten, was mich Fr. 16‘000.- kostete. Zum Glück gab’s in der Folge wieder einmal einige gute Winter und die Kosten konnten wieder gedeckt werden.
2017 hatten wir eine Woche lang genug Schnee für den Betrieb und es war bis zu minus 15 Grad kalt.
Aber leider stand dann der Lift am Sonntag bei vielen Besuchern still.
Wir versuchten alles, den Lift wieder zum Laufen zu bringen, - vergebens.
Während 1 ½-Tagen suchte der Service-Techniker das Übel um schlussendlich den Grund für den Ausfall in der Erdung zu finden. Nach der Schadensbehebung konnten wir den Lift noch zwei Tage laufen lassen. All diese Tage hatte ich bereits grosse gesundheitliche Probleme mit viel Schmerzen.
Dann kamen die Jahre 2018/19/20. Es gab nie genug Schnee, daher entschloss ich zusammen mit der Familie, den Liftbetrieb einzustellen und die ganze Anlage zu entfernen. Ein einschneidender Grund war auch, dass Sohn Christian nach zwei Jahren Krankheit mit nur 57 Jahren im April 2019 verstarb, ein
riesiger Schock und trauriger Verlust für die ganze Familie.
Diese vielen Winter, sie waren schön aber streng, konnte ich nur mit Hilfe meiner ganzen Familie bewältigen.
Stets konnte ich auf zuverlässige Hilfe und Unterstützung zählen.
Am Anfang waren wir drei Generationen am Skilift.
Meine Mutter hütete das Haus und beantwortete die Telefonanfragen. Mein Vater, “berühmt“ für seine tropfende Nase und seinen bereits erloschenen Stumpen im Mund, war oft an der Kasse. War er an der Kasse, freuten sich speziell die „kleinen Skifahrer“, denn bei ihm gab es mit entsprechend
kindlichem Charme, ab und zu eine Gratis-Fahrt zu ergattern.
Meine Frau Margrit betrieb praktisch alleine den kleinen Pony-Lift.
Unsere Kinder Christian, Marlis und später auch Hansueli, teilten sich die Aufgaben beim Anbügeln, an der Kasse oder beim Knipsen der Billette. Ich war praktisch immer oben am Lift-Ende beim Bügel abnehmen, dem “berüchtigten Abbügeln“. Die Rotation zur nötigen Ablösung organisierten wir untereinander.
Immer konnten wir auch auf zuverlässige Helfer im Stundenlohn zurückgreifen, aus der Verwandtschaft und dem Kollegenkreis oder Leute von den Dörfern Regensberg und Dielsdorf. Ab 1985 unterstützten mich dann auch Christian’s Frau Ria und später dann die Enkel Andrina, Severa und Corsin tatkräftig.
Es wurde viel Arbeit geleistet, dafür sage ich allen vielen herzlichen Dank.
Auch möchte ich allen treuen Besuchern meinen grossen Dank aussprechen.
Es war eine schöne Zeit und ich erlebte viele schöne Momente, vor allem wenn ich auf spezielle Ereignisse zurückschaue. Episoden mit Kindern und Anfängern, welche nicht wussten wie abbügeln, und nach meinem aufmunterndem Zurufen nach und nach lernten, was zu tun ist. Das Strahlen in ihren Gesichtern war der Dank an mich und die Aufmunterung, mit meinem ungebrochenen Optimismus immer weiterzumachen.
Im Januar 2021, dem allerersten Winter ohne betriebsbereit aufgebautem Skilift, kam der grosse Schnee...
Mein Entscheid, den Lift-Betrieb aufzugeben kam ins Wanken, und doch waren meine Kräfte zu erschöpft.
Dank einer Initiative entstand erst auf FaceBook und jetzt reell ein Verein um den Skilift Regensberg zu retten und weiter zu betreiben.
Mein Herz freut sich natürlich, wenn dieses Werk weiter bestehen kann, ich bedanke mich für diese Idee und wünsche gutes Gelingen und viel Glück dabei.

Ihr “Regensberger Skilift-Pionier“ Willi Lanz







Willi Lanz 17.10.2022

Wir alle sind unendlich traurig, Willi hat seine letzte Fahrt angetreten.
Er wird uns fehlen, er wird in unseren Herzen bleiben, er wird unser Pionier bleiben.
Danke für alles...